Änsegent 007 jagt Dr. Krø

Kritiken

 

Uraufführung: 27.12.2007 im GRIPS Theater Berlin

 

Berliner Morgenpost, 29.12.2007

... Ausgeheckt von Eva Blum und Matthias Witting, der auch für die Inszenierung und die musikalischen Arrangements verantwortlich zeichnet, ist der neueste Streich der Berliner Staatspoperette Hommage und Persiflage zugleich.

Originalgetreu angesiedelt jenseits aller Glaubwürdigkeit, besteht Doppelnull Bombt (Falk Berghofer) mit typisch ironischen Sprüchen auf den Lippen und tatkräftiger Unterstützung der schönen Kollegin Mia Gondbörl (Roswitha Stadlmann) haarsträubende Abenteuer. Ausgerüstet mit den Wunderwaffen von Miss Q (Sanam Afrasthe), decken die beiden eine ungeheure Verschwörung auf: Dr. Krø (Mirko Böttcher), eine Mischung aus den Bond-Bösewichtern Dr. No und Blofeld, strebt mit der russischen Tarot-Expertin Tara (Eva Blum) die Weltherrschaft der Kröten an.

Amüsant, wie die Leinwand-Materialschlachten durch spartanische Requisiten aus einem bekannten schwedischen Möbelhaus, Filmeinspieler und Diaprojektionen veralbert werden. Neben spaßigen Sprachkapriolen sind es die aberwitzigen Details, vor allem aber die hinreißend umgetexteten und gesungenen James-Bond-Titelsongs, die ... gekonnt unterhalten.

 

Musicalzentrale.de, 28.12.2007

... Blum und Witting wildern in ihrem Buch hemmungslos im Agentenfilm-Genre und persiflieren dabei hingebungsvoll das Bond-Vorbild. Sie gleiten dabei allerdings nicht wie Hollywood-Parodien à la „Goldständer” in Stammtischhumor-Untiefen ab, ihre Show unterhält vielmehr mit viel Sprachwitz. Wenn Figuren auf Namen wie Miss Fannynenny oder Mia Gondbörl hören, dann ahnt man, wie viel Liebe zum Detail in der gesamten Show steckt. Anne Herzaus Kostüm-Mix aus eleganter Abendgarderobe und sexy Strandoutfits ist ganz den Leindwandvorbildern verpflichtet und besticht durch witzige Details.

Matthias Wittings Inszenierung setzt ganz auf Parodie und Humoriges: So schwingt sich der Titelheld bei seinem ersten Auftritt per Seil in die Szenerie, nutzt für eine rasante Straßen-Verfolgungsjagd einen Roller und erhält im Labor aus den Händen von Waffenexpertin Miss Q aberwitzige technische Spielereien als Waffen. Bühnenbildner Klaus Reinke ermöglicht schnelle Abläufe, indem er mit wenigen charakterisierenden Möbeln und Accessoires die Handlungsorte auf der leeren Bühne andeutet. Teils bewegte Projektionen auf der Rückwand und Geräusche illustrieren Handlungsorte wie den Strand oder die Tropfsteinhöhlen-Zentrale des Bösen.. Hinter dem Gaze-Vorhang ist das aus Holz- und Blechbläsern bestehende Goldammer-Quintett postiert, das Matthias Witting vom Piano aus leitet. Natürlich intoniert die Band das berühmte Bond-Thema, aber auch Titelsongs aus der Film-Reihe sowie Pop-Songs von Madonna, Gröhnemeyer oder Wir sind Helden erklingen mit witzigen neuen deutschen Texten. So mutiert zum Beispiel „Licence to kill” zu „Führerschein 2”, Purs „Abenteuerland” wird zur Einladung ins „Fiese Krötenland”.

Die Krönung der Show ist ihre nur aus 5 Personen bestehenden Besetzung. Die Darsteller sind fast unentwegt in vielen verschiedenen Rollen auf der Bühne und wer gerade einmal kein Solo hat, der steht eingehüllt in einen weißen Bademantel neben der Band und singt im Background-Chor. Pointierter Gesang, Schwimmflossen-Tanz und engagiertes Spiel bilden eine Einheit und jeder der Fünf brilliert in mindestens einer Paraderolle: Sanam Afrasteh ist eine stimmgewaltige Erfinderin Miss Q, deren Waffen auch Tara, die linkische, aus Tarot-Karten lesende, Bombt-Gegenspielerin zu Fall bringen. Eva Blum spielt diese Rolle hinterhältig und singt mit knorrigem Alt. Mirko Böttcher brilliert als Schurke Dr. Krø und begeistert auch als Geheimdienst-Chef M mit dem Song „Dieser Weg”. Bleibt noch das Heldenpärchen: Roswitha Stadlmann ist eine sexy wie kampflustige Mia Gondbörl mit Charme und sicher geführter Sopranstimme. Falk Berghofer dominiert als Macho-Geheimdienstler Heinz Bombt die Szenerie und kämpft stimmsicher für das Gute. Beide harmonieren sowohl stimmlich als auch im eleganten Tanz.

 

rbb Kulturradio. 28.12.2007

Ein leichter, heiter-vergnüglicher Theaterabend, der vor allem durch die Live-Musik seine ganz besondere Note bekommt...

 

Der Tagesspiegel, 27.12.2007

Slapstick? Musical? Kammeroper? Man kann nie ganz sicher sein, was einem die „Berliner Staatspoperette” auftischt, eine freie, unsubventionierte Berliner Theaterproduktion... „'n Blick in der Stadt” war ihre erste Produktion, dann folgte „Alle Kühe fliegen hoch”, ein Kinderstück, das 2004 mit dem „Ikarus” ausgezeichnet wurde. Und nun eben: „Änsegent 007 jagt Dr.Krø”, ein Spiel mit dem Mythos Bond und der Musik der Filme, angerichtet für fünf Schauspieler, ein Bläserquintett und Klavier, geschrieben von Blum und Witting.

Es geht, wie stets in diesen Fällen, um nichts Geringeres als die Rettung der Welt, zumindest der kleinen Welt der Änsegenten. Zeit für Musik aber muss sein, und der verblüffende Klang der Bond-Erkennungsmelodie auf der Oboe produziert schon einen gewissen Verfremdungsefffekt, der sich auch in den Bildern der watschelnden und stolpernden Protagonisten fortsetzt. „Got a licence to kill”, nun ja, das wird nicht so ganz ernst genommen, die deutsche Übertragung heißt „Ich hab nen Führerschein Zwei”, aber der Schurke, zwingend mit Glatze, fiesem Grinsen und weißer Kuschelkatze ausgerüstet, ist äußerst böse und hat eine grünliche Assistentin, die aus sämtlichen Killerinnen der bekannten Filme zusammengesetzt scheint - viel Arbeit für Heinz Bombt (Falk Berghofer) und seine Ko-Agentin Mia Gondbörl (Roswitha Stadlmann).

Das Goldammer-Quintett setzt den Bombast der Originalmusik zwingend in trocken-witzige Klänge um - ein fluffiges musikalisches Schaumgebäck, ideal geeignet, die getragene Stimmung der Weihnachtsfeiertage aufzulösen.

 

Zuschauerkritiken:

Ich habe mich in der Show bestens amüsiert. Besonders gelungen fand ich die Songs, die hervorragend arrangiert waren. Aus so einer kleinen Musikerbesetzung so einen orchestralen Sound herauszuholen war eine tolle Leistung. Die Schauspieler spielten auf hohem Niveau sehr vielseitig. Intonationssicherer Gesang, Schauspielkunst, Tanz, das künstlerische Handwerk der Darsteller war umfassend. Eine Produktion, die vom Können der Musiker und Schauspieler lebt und nicht, wie so oft und platt, vom HighTec-Overflow.

Stefan Kohmann, musicalzentrale.de 8.1.2008

Auch ohne fundiertes James-Bond-Wissen macht dieses Stück Spaß. Tempo, Witz, exzellenter Gesang und intelligente musikalische Interpretation der verschiedenen Bond-Titeltracks durch das Goldammer-Quintett sorgten für einen künstlerisch wertvollen Ausklang des alten Jahres. Besonders gut gefielen mir die Gesangsdarbietungen. Bohemian Rapsody so witzig wie sicher vortragen zu können, erfordert ein großes Können. Durch Einfachheit bestechendes Bühnenbild, ununterbrochene Kostümwechsel, frische Ideen in der Umsetzung des Plots, der gelungene Einsatz der Lichttechnik, ungewöhnliche Anordnung und Integration des Orchesters in den Spielablauf inklusive der unaufdringlich präsenten und brilliant spielenden MusikerInnen- insgesamt ein hohes Maß an Spaß, Unterhaltung und Professionalität und darum das beste Theater, dass ich im Jahr 2007 gesehen habe.

Highko Steinwand, musicalzentrale.de 7.1.2008

Es war zwar eigentlich keine Absicht, dass wir so kurz nach Änsegent 007 schon wieder in einem Stück Musiktheater landeten, das von Eva Blum und Manfred Witting getextet wurde - aber in Zukunft werden wir wohl speziell nach diesen Namen Ausschau halten, wenn wir aus spanischer Ferne unser deutsches Kulturprogramm für den Heimaturlaub buchen.

Detlef Guertler, tazblog, 2.1.2008

 
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