Alle Kühe fliegen hoch

Kritiken

 

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Erika Spalke           © Jörg Metzner

Pressestimmen zur Event-Premiere „Die Kuh ist los!”

am 07.01.2012 im ATZE Musiktheater

Der Tagesspiegel, 9.1.2012

„Schick mir mal ein Gänseblümchen rüber“, sagt der Kopf der Kuh zu ihrem Hinterteil. „Schon unterwegs“, ertönt es von hinten, die ganze Kuh wackelt, dann schmatzt der Kopf zufrieden. Eine Kuh im Zwiegespräch von Kopf und Bauch: Im Atze-Musiktheater werden in Zusammenarbeit mit der Berliner StaatsPOPerette Kopf und Hinterteil einer Kuh zu Helden gemacht. Amüsant wird dem Zuschauer die Kluft zwischen Verstand und Bauchgefühl vor Augen geführt. Die Ratio, der Kopf, erklärt dem emotionalen Hinterteil Fremdwörter oder pocht auf Vernunft. Und doch – das Hinterteil behält meistens Recht. (...)

Die Jüngsten im Publikum begeistern sich für die naiven Fragen des Hinterteils, dessen Empathie ansteckend wirkt. Humorvoll werden die Kinder für Massentierhaltung, Fremdenfeindlichkeit und Umweltschutz sensibilisiert. Der schnoddrige und unkomplizierte Witz spricht Kinder und Erwachsene auf unterschiedlichen Ebenen an. Die Musikstücke begleiten die dramatischen Szenen mit einem Augenzwinkern. (...)

Gespielt werden die Tierhelden mit einer erfrischenden Leichtigkeit, ohne dass der Ernst der Themen in den Hintergrund gerät. Falk Berghofer wechselt geschmeidig die Rollen und begeistert als Hahn, der Angst im Dunkeln hat, als asthmatischer Hase mit Pollenallergie und als berlinernder Punk-Igel mit Arbeiterseele, der die Kuh aus ihrer Lethargie reißt. Von der Schöpfungsgeschichte aus Kuh-Sicht bis zu Atemübungen mit Kuh-Yoga ist alles dabei. Eines ist sicher: Die zweiköpfige Kuh wird man nicht so schnell vergessen, egal wie alt.

Berliner Zeitung, 9.1.2012

Im Finale legten sich sogar noch einige Muh-Rufer ins Zeug und bejubelten diesen langen Samstag-nachmittag mit mu(h)nterer Theater-Ku(h)nst für Milchgesichter und ihre Eltern. Unter dem Titel „Die Kuh ist los!“ hatte das Atze Musiktheater zur „Event-Premiere“ eingeladen, um in zwei Uraufführungen und einem Klassiker vom turbulenten Weideleben zu erzählen. (...)

Die skurrilen Charaktere, herrliche Wortspiele, Verballhornungen der Fabel um Hase und Igel sowie eine anrührende Auseinandersetzung mit Fragen nach dem dem Tod sorgen dafür, dass ,,Die Wutkuh" mehr als Agitprop im Stile der 80er-Iahre bietet (...)

Die herzige Kuh kann sich im Atze Spielplan breit machen.

zitty, 2/2012

Die braungescheckte Heldin des 2004 mit dem Ikarus-Preis ausgezeichneten Minimusicals „Alle Kühe fliegen hoch“ schickt das Atze Musiktheater jetzt in Serie. Mit zwei jeweils einstündigen Stücken haben Eva Blum und Matthias Witting von der Berliner StaatsPOPerette ihrer Kuh neue Abenteuer auf die Wiese geschrieben. Das „Dienstleistungsrind“ wird mit den Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft konfrontiert, als der aus der Legebatterie entflohene Machohahn Chick (großartig: Falk Berghofer) es um Asyl auf ihrer Weide bittet („Am Anfang war die Kuh“). Und auch die Wiese selbst ist durch den Bau einer Autobahn bedroht („Die Wutkuh“). Was da zu tun sei, darüber ist die Kuh öfter geteilter Ansicht. Kein Wunder, ist sie doch in sich gespalten: in Kopf (Laura Leyh) und Hinterteil (Eva Blum), also Ratio und Bauch. Besonders das naive Hinterteil wird mit seinen Fragen und seinen verdrehten Fremdwörtern zum Moderator der kleinen Zuschauer ab 5 Jahren, denen hier so komplexe Themen wie Massentierhaltung, Fremdenfeindlichkeit und Umweltschutz mit Witz und viel Musik nahegebracht werden.

Märkische Oderzeitung, 13.1.2012

Die Idee, eine Kuh-Figur zu erschaffen, die im permanenten Widerstreit mit sich selber liegt, sorgt für gleichermaßen klamaukigen wie tiefsinnigen Witz – getragen durch engagiertes Schauspiel und Gesang. Herzallerliebst spielt Eva Blum ein emotionales, naives und begeisterungsfähiges Hinterteil, urkomisch der wandelbare Falk Berghofer. Es macht Spaß. neue Geschichten auf der Bühne zu sehen, statt der allzu oft reproduzierten, bekannten Kinderbuchvorlagen. Es wird sich zeigen, ob es funktioniert, einen komplexen, da zwiegespaltenen und dazu namenlosen Charakter wie die „Kuh“ als Theater-Marke zu etablieren. Die Reaktionen des aufgewühlten Publikums, das nach fünf Stunden Kuh johlend „Muh“- statt „Buh“- Rufe gen Bühne schickt, lässt jedoch keinen Zweifel daran: Der Rinderwahn hat gerade erst begonnen.

Neues Deutschland, 13.2.2012

(...) Dass in dem gefleckten Kuh-Kostüm gleich zwei Schauspielerinnen stecken, erweist sich als gelungener Kunstgriff, um dem ganz jungen Publikum auf unkomplizierte Art Begriffe zu erläutern, ohne dass sich die Älteren langweilen. Zugleich bildet das unterhaltsame Gezänk zwischen logisch argumentierendem Kopf und liebenswert-empathischem Bauch den eigentlichen roten Faden dieser Trilogie.

Geschickt haben die Autoren Matthias Witting, der auch Regie führt und für die Musik verantwortlich ist, und Eva Blum, Darstellerin des Kuh-Hinterteils, aktuelle Themen wie Massentierhaltung, Umweltzerstörung und Angst vor Fremden kindgerecht aufbereitet und in drei quirlige Musiktheaterstücke gepackt.

(...) Die Dialoge strotzen vor herrlich trockenem Humor, der ruhig auch mal ätzen darf, in den Songs vereinen sich Pop und große Oper - wenn etwa Hahn Chick vor Freude über sein neues Bio-Zuhause "Freude schöner Freiheitsfunken" schmettert, bis das Batik-Shirt flattert (...)

Berliner Lehrerzeitung Nr. 3/2012

Eine Kuh als Serienheldin – dieses kleine Theaterwunder gelingt der StaatsPOPerette bei Atze.

Es ist allerdings eine besondere Kuh mit zwei sprechenden, agierenden, miteinander streitenden und sich wieder versöhnenden vitalen »Köpfen« – der eine vorn, wie es sich gehört, ein zweiter hinten. Und damit ist ein Grundmuster etabliert: Kopf und Bauch, Ratio/Gefühl, überlegenes Wissen/neugieriges Fragen, Intellektualität/Körperlichkeit, Kultur/Natur. Das Ganze aber nicht als Leistungskurs Philosophie, sondern als ein faszinierendes Mini-Musical (ab 5) voller Überraschungen und Abenteuer, an dem auch Erwachsene ihre Freude haben. Da wird einiges an biologischer Grundlage eingespielt (Fressen – Verdauung – Milchproduktion), werden bekannte Märchenmotive eingebaut (Hase und Igel), gibt es duftige Musik, teils frisch komponiert, teils Kinderlied und Kindertanz bis hin zu Arie und Oper. Und dazu jeweils eine spannende Begegnung mit ein, zwei anderen Tieren und wichtigen Themen/Inhalten.

Drei Stücke gibt es bisher: In »Alle Kühe fliegen hoch« geht es um Freundschaft, Streit und Versöhnung – und um den Lebenstraum, zu fliegen, der schließlich in Erfüllung geht; »Die Wutkuh« muss sich um Gegenwartsprobleme kümmern (Autobahnbau, Umwelt) und den Tod eines Tierfreundes betrauern; »Am Anfang war die Kuh« behandelt Flucht und Asyl, Eigentum und fremde Sitten, Tiere in Käfighaltung. Noch einmal: unterhaltsam, spielerisch, verständlich, witzig und inhaltsreich (ab 5).

Bild:

Eva Blum, Falk Berghofer           © Jörg Metzner

 

Pressestimmen zur Uraufführung

Berliner Lehrerzeitung, Dezember 2003

„Alle Kühe fliegen hoch” beginnt mit einem wundervollen Schaustück, einer riesigen Kuh, die den Kindern (ab 4) zunächst ein ruhiges Betrachten erlaubt. In der Begegnung mit einem (wirklich fliegenden!) Vogel bekommt die Kuh, gespielt von zwei Schauspielerinnen, Krach mit sich; konservativ - ruhig steht gegen jugendlich - unternehmungslustig. Erst Trennung, dann Wiederversöhnung - schließlich fliegt auch die Kuh. Ein wunderbar philosophisches Spiel: zauberhaft naiv für die Kleinen; die Erwachsenen (und Größeren) sehen zudem Probleme von Identität, Utopie, Ambivalenz.

Berliner Morgenpost, 5.11.2003

In ihrem Stück „Alle Kühe fliegen hoch” fegt die Berliner StaatsPOPerette beim Publikum so manches falsche Naturbild hinweg. Und das, obgleich die Inszenierung es selbst mit dem Realismus nicht so ernst nimmt. So verliebt sich denn auch das Hinterteil der Kuh in einen Vogel und würde auch gern fliegen. Verzweifelte Versuche, sich in die Luft zu erheben, schlagen natürlich fehl, treffen beim Kopf des Tieres auf Unverständnis. Verstand und Gefühl prallen aufeinander.

Die Koproduktion mit dem Musiktheater Atze ermuntert zum Träumen. Am Drahtseil „fliegt” Falk Berghofer, der am Grips Theater spielte, als gefiederter Unruhestifter über den Bühnenhimmel. Mit den Kuh-Darstellerinnen Eva Blum und Erika Spallke singt er Pop-Songs wie Grönemeyers „Muskeln” und Lieder wie „Wenn ich ein Vöglein wär”. Melodien, die Regisseur Matthias Witting, ehemaliger musikalischer Leiter am Grips Theater, live am Flügel präsentiert. Es ist die erste Poperetten-Produktion für Kinder. Volltreffer!

 

Pressestimmen zur Inszenierung Theater der Jungen Welt

Leipziger Volkszeitung, 13.9.2005

... Das Vorderteil, Denkabteilung des Gesamtunternehmens Kuh, mahnt zur Vernunft, das Hinterteil will hoch hinaus - folgenschwere Zerrissenheit. Am Ende helfen ein Vogel und Bühnentechnik: „Alle Kühe fliegen hoch” im Theater der Jungen Welt....Im Umfeld von Kuhfladen, Anhöhe und Himmel steigert sich das Musical zu einem schwungvollen, witzig-phantasievollen Plädoyer für Zusammenhalt.

(Fast) alles wie im Leben, nur irgendwie schöner. Also: Hoch das Hinterteil und ab ins Theater!

Kreuzer, das Leipziger Stadtmagazin, September 2005

„Alle Kühe fliegen hoch” ist der Titel dieses Abends. Und was da im Theater der Jungen Welt in einer knappen Stunde in der Inszenierung von Matthias Witting zu sehen ist, amüsiert als Musicaltheater für Familien nicht nur die Kinder.

 
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