Schlag auf Schlag

Kritiken

 

Berliner Morgenpost

‚Reich und berühmt‘ will sie werden, wie viele Jugendliche. Andere träumen von der großen Karriere als Showstar. Bei Luzia hingegen ist es der Sport, der sie „Schlag auf Schlag“ ganz nach oben bringen soll: Die 16-Jährige hat sich für das Boxen entschieden. „Schlag auf Schlag“ heißt das neue Stück des GRIPS Theaters über Leistungssport und ‚großes Geld‘, das Eva Blum und Herman Vinck gemeinsam erarbeitet haben. Monatelang, bis hin zu Blessuren‚ haben die Schauspieler im Ring trainiert, als Sparringpartner von Kick-Box-Weltmeisterin Jeannette Witte. Jetzt wurde das aus Improvisation entstandene Stück mit großem Erfolg in der Schiller-Theater-Werkstatt uraufgeführt. Die Bühne markiert eine enge Dachkammer, vollgestopft mit Umzugskartons; es ist das Lager von Luzias Vater, der mit Sportkleidung handelt. Er selbst war einmal erfolgreicher Profiboxer. Jetzt trainiert er die Jungs in seinem Amateurverein. Und weil die Tochter, mit der er alleine lebt, immer gedrängelt hat, durfte sie mittrainieren. Ihr Talent schreit nach mehr. Das Lager wandelt sich zum Trainingsboxring. Luzia (Eva Blum) ist eine kesse Göre mit flottem Berliner Mundwerk, die beim Vater (Herman Vinck mit charmantem holländischen Akzent) alles durchsetzen kann. Sie wird Amateur-Europameisterin und schmeißt die Schule, ‚man muss auch auf etwas verzichten können‘. Bei der BVG nimmt sie einen Halbtagsjob an, ‚mit Verantwortung‘. Wie sie ihre Aufgabe beim Leeren der Kassenautomaten beschreibt, beweist wieder einmal, dass beim GRIPS Theater wirklich bis ins Detail recherchiert wird. Dann geht es wirklich Schlag auf Schlag, die Pokale auf dem Regal vermehren sich, Champagner fließt, und ein Agent winkt mit Werbeverträgen. Schluss mit dem Amateurstatus, das Profileben lockt. Die Vater-Tochter-Beziehung indes wird gespannter. Zum harten Boxtraining kommt jetzt auch das Üben von Auftritts- und Siegerposen. Immer wieder steigen die beiden Schauspieler zum ernsthaften Training in den Ring und zeigen, dass Boxen auch ästhetische Qualitäten hat. Zur elektronischen Musik von Matthias Witting wirken die sportlichen Einlagen wie Tanznummern in einem Musical. Einmal tut sich eine Klappe im Hintergrund auf und gibt einen Ausschnitt frei auf einen weiteren Boxring. Es ist Luzias großer Kampf um die Profi-Europameisterschaft. Man sieht sie nur ein paar Mal am Rand kämpfen und am Schluss erschöpft und glücklich. Als Siegprämie darf sie sich einen überdimensionalen Gürtel mit Tigerkopf umschnallen - keine Kitschidee der Theatermacher, sondern die Leihgabe der Profiboxerin Jeannette Witte. Schlag auf Schlag: Die Ereignisse purzeln, die Szenen werden kürzer, bis auf die über ein tieftrauriges, einsames Weihnachtsfest. Ein Interview im Spiegel, ‚du hast es geschafft‘, doch dann lesen sie in der Regenbogenpresse Dinge, die keiner gesagt hat und wenn, dann ‚nicht so‘. Die Vermarktungsmaschine läuft. Agenten, Journalisten, Werbemanager treten zwar nicht auf, aber sie mischen ganz schön mit in Luzias Leben. Der coole Teenie wandelt sich zu einer nachdenklichen jungen Frau - Eva Blum macht das wunderbar glaubhaft -‚ die bei allem Druck nicht aufgibt, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Jubel bei der Premiere für ein schauspielerisch und sportlich grandioses Team.

 

Der Tagesspiegel

... ein Teamwork der Schauspieler Eva Blum und Herman Vinck unter Mitwirkung anderer GRIPS-Kräfte wie etwa Matthias Witting, der eine schlagkräftige, perkussiv peitschende Musik beisteuert.

 

Märkische Oderzeitung

Die beiden Figuren, die die Schauspieler geformt haben, sind dem Zuschauer darum schon nach wenigen Minuten ungewöhnlich nah. Da ist nichts gekünstelt, nichts aufgesetzt.

 

Berliner Zeitung

Doch auch außerhalb des Ringes wirken die beiden zupackend gestalteten Charaktere überzeugend: Er gibt den maulenden Holländer mit dem Herz am rechten Fleck, sie die rotznäsige Berliner Göre, die einfach nicht still sitzen kann.

 

SFB/ORB Galerie des Theaters

Man merkt der wunderbar präsenten, auch mit dem Mundwerk vorzüglich fitten Schauspielerin an, dass sie sich einem harten Training bei der Kick-Box-Weltmeisterin Jeanette Witt unterzogen hat ... Aber auch ihr Sparrings- und Bühnen-Partner Herman Vinck ließ sich sportlich auf Trab bringen und amüsiert mit seinem bühnenwirksamen Akzent und kleinen holländischen Einlagen. Gemeinsam trainieren sie jetzt also die Jugend moralisch aufbauend für Olympia - und sind damit einmal mehr voll auf der Höhe der Zeit ...

 
   BILD