Schlag auf Schlag

Textproben

 

5. SZENE - EIN JAHR SPÄTER

Henk telefoniert.

Henk:

Frank, Man, daar had je bij moeten zijn. Ze was goed... en snel! Echt fantastisch! Jij was wel 2 meter hoog gesprongen. Ja, ik moet ze niet te veel loven. Ze heeft het nu al hoog in d‘ er bol... Ja, goed ik geef ze je. Mein Bruder will dir gratulieren!

Luzia:

Dag... Dankeschön... Ja, stimmt, der ist ziemlich mitgenommen... Wir sind schon zwei Tage wieder da.. Doch, zwischendurch war er schon mal nüchtern. Aber gestern gab es eine Riesenfete für uns im Verein... Klar schicken wir euch Fotos. Oder wir bringen sie beim Geburtstag mit. Tschüss und grüss Lydia.

Henk:

Dag. Tot gauw. (legt auf) Oh, tun mir die Füße weh, viel zu viel getanzt.

Luzia:

Ich merke auch jeden Knochen. Heute können wir nicht gut trainieren...

Henk:

Doch, du. Ich nicht.

Luzia:

Ich kann auch nicht, mir tut alles weh.

Henk:

Komm komm, komm komm. ... Junge, starke Frau, frischgebackene Europameisterin...komm. Zwei Minuten Dehnen. (nimmt die Zeit mit einer Stoppuhr) Und Zeit! Hast du keine Kopfschmerzen?

Luzia:

Ich hab keine Kopfschmerzen. Sind die zwei Minuten nicht längst zu Ende?

Henk:

Nee,nee,nee,nee.

Luzia:

Sag mal, Henk, verdienst du eigentlich viel mit deinem Vertreterzeugs?

Henk:

Viel ? Viel nicht...aber es reicht, oder?

Luzia:

Ich hab mir was überlegt... Wenn ich einen Job hätte, dann müsstest du nicht mehr so viel herumfahren und könntest mich mehr trainieren.

Henk:

Wieso einen Job? Und die Schule?

Luzia:

Oh... das habe ich gar nicht erzählt ... die hatten mir schon vor Stockholm gesagt, wenn ich zur EM fahre, dann ist wahrscheinlich finito mit der Schule. Das habe ich gar nicht erzählt, was? Das habe ich echt vergessen...

Henk:

Wie „finito“ ?

Luzia:

Naja... also... ich hatte eigentlich nicht wirklich die Erlaubnis zu fahren. Die haben gesagt, ich soll mir überlegen, was mir wichtiger ist, und wenn ich fahre und mir das Boxen wichtiger ist, dann ...

Henk:

Sind die bekloppt oder was ?!

Luzia:

Das waren schon wieder zwei Wochen, die ich gefehlt habe...

Henk:

Was sind denn schon zwei Wochen ?!?

Luzia:

Das habe ich denen auch gesagt! Jedenfalls ... jetzt ist halt finito la musica, also nichts mehr mit Schule und deswegen dachte ich, wenn ich einen Halbtagsjob habe, könnten wir richtig trainieren. Also, profimäßig.

Henk:

Moment mal, ist das ernst ?

Luzia:

Ja, ich wollte dir das in Stockholm nicht sagen, weil... ich meine... wir hatten doch so eine geniale Zeit da und das wäre irgendwie blöd gewesen.

Henk:

Nicht so schnell, bitte. So schnell kann ich heute nicht denken.

Luzia:

Die zwei Minuten müssten eigentlich längst vorbei sein...

Henk:

Ja.

Luzia:

Die hätten auch gerne mit dir gesprochen, aber ich habe gesagt, du hast keine Zeit, weil: Es ist meine Entscheidung.

Henk:

Es ist deine Entscheidung ?

Luzia:

Ja, nach Stockholm zu fahren, war meine Entscheidung.

Henk:

Und ich habe nichts damit zu tun ?

Luzia:

Doch, natürlich, aber, ich meine, du wärst doch trotzdem mit mir nach Stockholm gefahren, oder nicht?

Henk:

Ja klar.

Luzia:

Na siehste, wenn sich das alles nicht mehr vereinbaren lässt, muss man eben Abstriche machen. Ja, man muss auch mal auf was verzichten können. Und bei mir ist es eben die Schule...

Henk:

Du findest das lustig, oder was ?

Luzia:

Nein. Ich finde es auch irgendwie schade... Auf der anderen Seite hat das auch was Positives. Es ist auch positiv!

Henk:

Und was ist bitte daran positiv ?

Luzia:

Ich bin so verspannt! Das ist doch nicht blöd, was alle sagen: dass wir das Dreamteam sind! Und ich es echt weit bringen könnte!

Henk:

Du bist ja sehr gut und hast Erfolg, und was bringt es uns ? Einen wunderbaren Pokal und einen Blumenstrauß. Und davon kann man nicht leben.

Luzia:

Im Amateurbereich nicht, aber als Profi.

 

19. SZENE - 3 TAGE VOR DER PROFI-EM

Luzia springt Seil. Henk tritt auf, ein Telegramm in der Hand.

Luzia:

Wer war's denn ?

Henk:

Telegramm.

Luzia:

Das sind bestimmt gute Wünsche für den Kampf.

Henk:

Aus Holland.

Luzia:

Oh, geil...

Henk:

Ist bestimmt von Frank.

Luzia:

Wir müssen da echt mal wieder hinfahren, sonst denken die, sie sind uns egal... Und, was schreiben sie? Mann, drei Tage vor'm Kampf, da hätte ja auch 'ne Karte gereicht. Und, was ist?

Henk:

Äh... na ... es geht Frank nicht so gut...

Luzia:

Wieso, was hat er denn?

Henk:

Mach du mal weiter, bitte.

Luzia:

Na, lies doch mal vor! Ist doch bestimmt für uns beide, nicht für dich alleine.

Henk gibt ihr das Telegramm. Luzia liest.

Luzia:

Was machen wir denn jetzt?

Henk:

Intensiv-Station, das heißt ...

Luzia:

Du musst auf jeden Fall Tante Lydia anrufen, dass wir kommen. Oder du...

Henk:

Nichts übereilen. Ich muss erst mal fragen, was ist.

Luzia:

Ja und was sagst du, wenn sie fragt, wann wir kommen? Ich kann nicht fahren!

Henk:

Ja, klar kannst du nicht fahren, aber ich.

Luzia:

Scheiße, ich würde auch gerne fahren!

Henk:

Das wäre nicht gut. Luzia, guck mal, du kannst da nichts machen!

Luzia:

Ich darf da gar nicht drüber nachdenken...

Henk:

Du mußt deinen Kopf freihalten, sonst können wir den Kampf vergessen! Das ist dir doch klar, oder?

Luzia:

Mach dir mal keine Gedanken, ich krieg das schon gebacken...

Henk:

Sonst ist alles umsonst gewesen!

Das Telefon klingelt.

Henk:

Van der Kamp ... ah, Leopold! Ich habe deine Stimme nicht erkannt! Hahaha - Schön, dass du anrufst - Hattest du schöne Feiertage? - Was?! Ehrlich ? Ach, du bist ein Kanjer, wie man bei uns Holland sagt! Gut, also - wann ? - Ja, Moment mal, ich muss mal in meinem Kalender nachschauen... (zu Luzia) Das Interview mit dem Spiegel klappt! Morgen um elf, aber das geht doch nicht! Wie soll ich das machen?! Das geht doch nicht! Da bin ich doch unterwegs nach Amsterdam... Oh man! Ich kann das nicht absagen, ich kann das nicht absagen... (ins Telefon) Hallo, Leopold? Nein, nein, das ist wunderbar. Ach, das du das geschafft hast - Ich schulde dir was! Ja, ok, machen wir, wir trinken einen zusammen! Ja! Gut! Wir sehen uns am Sonntag! (legt auf)

Luzia:

Ok. Da müssen wir jetzt echt durch.

Henk:

Ja klar.

Luzia:

Wir dürfen da jetzt irgendwie nicht dran denken.

Henk:

Mann, Luzia, das ist unsere Chance! Interview im Spiegel.

Luzia:

Super.

Henk:

Vergiss die ganze Sache.

Luzia:

Weg aus dem Kopf.

Luzia:

Ja.

Henk:

Nur an dich. Nur der Kampf.

Luzia:

Ok.

Luzia:

Scheiße, du musst Lydia anrufen, dass wir nicht kommen. Das muss sie verstehen. Das wird schon gut gehen...

Henk:

Nach dem Kampf reisen wir sofort nach Amsterdam.

 
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