Am Anfang war die Kuh
Textauszug
Falk Berghofer, Laura Leyh, Eva Blum © Jörg Metzner
Chick:
Hi, ich bin 1754/538-29 AD10; ihr könnt aber Chick zu mir sagen, ist einfacher.
Hinterteil:
Bist du ein Vogel?
Chick:
Ich bin ein Asylant.
Hinterteil:
Ein Elefant?
Vorderteil:
(zischt) Er ist ein Asylant.
Hinterteil:
Dacht ich’s mir doch. Er sieht nämlich gar nicht aus wie ein Elefant.
Vorderteil:
Könntest du uns vielleicht mal erklären, was du da oben auf unserer Wiese, also über unserer Wiese zu suchen hast.
Chick:
Ich beantrage Asyl.
Hinterteil:
Was?
Chick:
Asyl. Spreche ich so undeutlich?
Vorderteil:
Äh, rühr dich nicht von der Stelle. Wir sind gleich wieder da. Zum Hinterteil. Komm mal mit.
Hinterteil:
Wieso denn?
Vorderteil:
Mach schon, ich hab was mit dir zu bereden.
Die Kuh entfernt sich einige Schritte.
Hinterteil:
Hast du verstanden, was der von uns will?
Vorderteil:
Er beantragt Asyl.
Hinterteil:
Und was ist das?
Vorderteil:
Das weiß ich nicht so genau.
Hinterteil:
Dann frag ihn doch.
Vorderteil:
Soll der etwa denken, wir sind eine blöde Kuh?
Hinterteil:
Nein. Aber was machen wir denn jetzt?
Vorderteil:
Da wir hier auf der ganzen Wiese kein Asyl haben, können wir ihm auch keines geben.
Hinterteil:
Sag ihm das doch.
Vorderteil:
Genau, das machen wir jetzt. Wie hieß der noch mal?
Hinterteil:
Chick.
Sie gehen wieder zurück zu Chick.
Vorderteil:
He, Chick. Dein Antrag auf Asyl ist abgelehnt. Also mach dich vom Acker.
Chick:
Aber das könnt ihr gar nicht.
Vorderteil:
Wieso?
Chick:
Ihr habt mich doch noch gar nicht angehört.
Hinterteil:
Da hat er Recht.
Chick:
Bevor ihr den Antrag ablehnt, müsst ihr mich doch erst anhören.
Vorderteil:
Ach, stimmt ja. Das hatte ich ganz vergessen.
Hinterteil:
Aber abgelehnt ist abgelehnt.
Vorderteil:
Wir müssen ihn doch erst anhören.
Chick:
Danke.
Vorderteil:
Wir hören an.
Hinterteil:
Ja, wir hören jetzt an.
Chick:
Ich bin ein menschlich verfolgtes Hähnchen. Ein Musketier auf zwei Beinen. Ich bin ein Held. Ich gehe in die Geschichte ein. Ich bin der Größte! Ich muss nur was für meine Figur tun.
LIED KUH: HIER AUF DER WIESE BESTIMMEN WIR
Was man macht, wo du her kommst, das ist uns egal Hier gelten andre Regeln So ist das nun mal Du willst was von uns Wir woll`n nichts von dir Und hier auf der Wiese Bestimmen wir Dass du geflohen bist Könn`wir verstehen Was du erzählst Klingt ja wirklich nicht schön Schon möglich Dass man ne Macke kriegt Aber dass jetzt hier Deine Kacke rum liegt Geht entschieden zu weit Das ist schon mal klar Auch wenn das auf diesem Hof Üblich war Was man macht, wo du her kommst, das ist uns egal Hier gelten andre Regeln So ist das nun mal Du willst was von uns Wir woll`n nichts von dir Und hier auf der Wiese Bestimmen wir
Eva Blum, Falk Berghofer, Laura Leyh © Jörg Metzner
Hinterteil:
Du weißt wirklich nichts über Sonne, Mond und Sterne?
Chick:
Das hast du mich schon mal gefragt. Wer sollen die drei Typen denn sein?
Hinterteil:
Also wenn du gar nichts weißt, weiß ich überhaupt nicht, wo ich anfangen soll.
Vorderteil:
Bei dem musst du ganz von vorne anfangen, der ist dumm wie Stroh.
Hinterteil:
Also, am Anfang war die Kuh…
Vorderteil:
Nein. Am Anfang war die Wiese.
Hinterteil:
Aber dann war die Kuh.
Vorderteil:
Nein. Am ersten Tag hat sie das Vorderteil gemacht.
Hinterteil:
Genau. Und am zweiten Tag hat die große Wiese aus der Rippe des Vorderteils das Hinterteil gemacht. Und weil der Euter gemolken werden musste, hat sie am dritten Tag Adam und Eva geschaffen...
Vorderteil:
Und am vierten Tag hat sie zwei große Lichter gemacht. Ein großes Licht, das den Tag regiert, und ein kleines Licht, das die Nacht regiert. Also die Sonne und den Mond. Und am fünften Tag die Sterne.
Hinterteil:
Die hat sie erfunden, damit wir uns immer was wünschen können. Aber nur wenn die Sterne vom Himmel fallen.
Chick guckt in den Himmel.
Chick:
Kann ich mir auch was wünschen, wenn so ein Ding runter fällt?
Vorderteil:
Ob das auch bei Hähnchen klappt, weiß ich nicht.
Hinterteil:
Du kannst es ja mal versuchen. Aber du darfst nicht sagen, was du dir wünschst, sonst geht’s nicht in Erfüllung.
Chick:
Guckt in den Himmel. Da fällt nichts.
Vorderteil:
Du musst Geduld haben.
Chick:
Nach einer Weile. Ich krieg Genickstarre.
Hinterteil:
Du musst es dir bequem machen. Zum Vorderteil. Komm, wir drehen uns auf die Seite und gucken auch.
Vorderteil:
Meinetwegen.
Die Kuh dreht sich auf die Seite.
Chick:
Ihr habt es gut, ich kann mich nicht auf den hinlegen. Wisst ihr was? Das werde ich mir wünschen!
Hinterteil:
Du darfst doch nicht sagen, was du dir wünschst. Sonst geht’s doch nicht in Erfüllung.
Chick:
Stimmt ja.
Vorderteil:
Zu spät.
